Heike Koschyk
Die Alchemie der Nacht

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Meine Kurzfassung:
Ganz am Anfang ist im Prolog zu lesen: "Im Jahre 1764 gelingt es einer kleinen Gruppe besonnener Ordensbrüder, die Macht eines Mannes zu brechen, der es mit seinem dämonische Charisma vermocht hatte, die größten deutschen Freimaurerlogen unter seiner Leitung zu vereinen: Der Jenaer Großprior Friedrich von Johnssen. Er stirbt im Kerker der Wartburg, ohne dass ihm ein alchemistisches Geheimnis entlockt werden kann, das die Medizin revolutionieren könnte: die Rezeptur des allheilenden Lebenselixiers. Es scheint, als sei sein kostbares Wissen für immer verloren. Bis sich im Jahre 1780 eine geheime Verbindung aufmacht, Johnssens Geheimnis und die Alchemie der Nacht zu entschlüsseln."

Vor dem ersten Kapitel: ‚Jena im Januar 1780' geht es um ein Mädchen, das kurz während einer Betäubung immer wieder halb erwacht, sich erinnert, dass immer derselbe Student ihr etwas eingeflößt hatte. Dazu sagte er, es sei notwendig zur Wahrung eines der größten Geheimnisse der Wissenschaft…. Sie fühlt sich beobachtet…..und dann sieht sie, wie ein halb entblößter junger Mann vor ihr steht, sieht an sich hinunter, sieht, dass auch sie halb entkleidet ist… als sie versucht, ihre Blöße zu bedecken hindert er sie daran….. sie erbrach sich auf sein Geschlecht, und sein Erschrecken nutzt sie zur Flucht….

Im 1. Kapitel sind wir dann in Jena, bei Christoph Wilhelm Hufeland. Er ist in seinem Zimmer, und schaut sich an, und sah sich, was aus ihm geworden war. Nach nur kurzen zwei Wochen war, als Student, Sohn des hoch angesehenen Leibarztes zu Weimar, aus ihm ein Student geworden, der sich - wie fast alle anderen Studenten, in den Kaschemmen in Jena herumtrieb. Und er nahm sich vor, künftig sich mehr seinen Studien zu widmen, und diese Saufereien zu unterlassen…. Es folgen jetzt in verschiedenen Kapiteln in verschiedenen Standorten Geschichten der Protagonisten; oft nicht sofort erkennbar, was sie eigentlich im Sinn haben.

Als er eines Nachts unterwegs ist, es ist eine Rauferei im Gange, in deren Verlauf dann ein hitziger Student einen anderen ersticht, zumindest sieht es so aus.
Es ist Albert, der Bruder eines Mädchens, das sich dann später auf den Weg macht, seinen Bruder zu suchen.
- Die Reise dieses Mädchens - sehr abenteuerlich zu dieser Zeit - wird ausführlich geschildert, aber sie kommt dann doch dem Ort näher, wo sich Albert aufhalten soll.
Hufeland ist mit Albert befreundet, beobachtet dann, dass sich ein anderer Student über den ‚Toten' beugt, sich über ihn legt. - Mehr bekommt er nicht mehr mit.

Im Laufe von zahlreichen Verstrickungen, Verbindungen lernt Hufeland die Schwester Alberts kennen, und sie wird nach einiger Zeit seine Frau.

Es gibt auch ein Grab, wo Albert begraben sein soll. - Und in einer geheimen nächtlichen Aktion graben sie die Leiche aus. Es ist nicht Albert!!! - Aber was war mit Albert geschehen???- warum soll er als tot gelten? - Fragen über Fragen.
Sehr viel später wird dann von Albert erzählt…… eine grauenhafte Geschichte. Unter jahrelanger Einkerkerung und psych. Terror ist er kein Mensch mehr.

Wie diese Geschichte dann ausgeht, wie es mit ihm weiter geht, und was Rufeland und seine Frau, also die Schwester Alberts damit zu tun haben, woher sie Hilfe bekamen usw. - das erzählen dann mehrere Kapitel, die hochinteressant sind.

Und immer mehr kommt zum Vorschein, dass hier eine üble Verschwörung im Gange ist. Aber noch ist nicht ganz klar, wer der Kopf dahinter ist. Es geht um etwas, das es bereits geben soll, aber niemand weiß genau, wer es hat, bzw. wo es verborgen ist. - Dieses Etwas soll ein Elixier sein, das das Leben unendlich verlängern kann….
Es werden die verrücktesten Versuche unternommen im Vorfeld. U.a. meint einer, wenn man ein ganz junges Mädchen lange genug neben einen Alten legt, wird ihre Jugend auf diesen übergehen…. !!
Und es werden zahlreiche, grausame Versuche an Menschen unternommen. Diese Gestalten konnten mit den Menschen alles machen, es gab damals keine Einschränkungen, wer Macht hatte, hatte sie über alles, konnte sich seine eigenen Rechte basteln.

Interessant dann, als Hahnemann ins Spiel kommt. Er forscht an den von der Natur gegebenen, längst und schon immer vorhandenen Pflanzen. Hahnemann hatte in Erlangen die Doktorwürde in Medizin erlangt und hauste ziemlich primitiv, immer am Rande des Existenzminimums, in einer einfachen Behausung, wo er auch praktizierte und seine Forschungen betrieb. - Dann hat er eine Stelle bei einem Adligen, und wohnt dort in der Residenz. Die Treffen der Protagonisten mit ihm sind beschrieben, und vor allem wie maßgeblich er beteiligt ist, den verschwundenen Bruder Albert schließlich findet, seine Heilversuche und auch Heilerfolge sind beachtlich, und Bestandteil der Geschichte.

Hier ein Auszug aus Kapitel 4 ‚Georgenthal - April 1793:
"Hahnemann stand übelgelaunt im Garten des Jagdschlosses, in dessen Trakt sich die nun, da der einzige Patient abgereist war, verwaiste Heilanstalt für an Wahnsinn erkrankte Standespersonen befand. Er lauscht dem Singer der Vögel und atmete die frische Abendluft in der Hoffnung, dass es ich beruhigen würde. Ein Drama war es, was sich soeben im Inneren abgespielt hatte, und er hatte sich dem lieber entzogen und war hinausgegangen. Man sollte meinen, nur Irrsinnige könnten sich so benehmen, dachte Hahnemann empört, und doch war' s seine Frau Henriette gewesen. - ‚Samuel' hörte er sie nun rufen, und alsbald erschien seit der Geburt des fünften Kindes breit gewordener Körper im Rahmen der Verandatür. Sie hatte ihre dunklen Haare unter einem Spitzenhäubchen verborgen, trug eines ihrer neuen Kleider mit reich verziertem Ausschnitt und plissierter Borte und wirkte dennoch vor der Kulisse des herrschaftlichen Hauses fehlt am Platz, Hahnemann wich hinter einen Baum und überlegte, was nun zu tun sei."

Hier kommt mir jetzt der Inhalt des, auch von mir bereits vorgestellten Buchs "Angeline Bauer: "Hahnemanns Frau" in den Sinn. (http://www.ciao.de/Hahnemanns_Frau_Bauer_Angeline__Test_8613035) Oder http://www.giselasletterbox.rosslauer.de/autor_af/bauer_angeline_hahnemanns_frau.htm___

Und weiter:
"….Das Beste wäre wohl, einen Brief an den Herzog von Sachsen-Gotha zu schreiben, mit der Bitte, ihnen Aufschub zu gewähren, bis sie eine anderweitige Wohnung gefunden hätten. - Die Hoffnung, ein weiterer Patient würde sich zur Behandlung bei ihm melden, hatte sich nicht erfüllt, obwohl er den geisteskranken Klockenbring vor wenigen Tagen als einen Mann von bester Gesundheit hatte entlassen können. Die Aufforderung jedoch, die Familie Hahnemann solle nun das Jagdschloss unverzüglich verlassen, war selbst für ihn überraschend gekommen…."
Daraus geht hervor, in welcher prekären Situation sich Hahnemann befand. Das alles wird sehr genau und ausführlich beschrieben.

 

 

Die Autorin:
Heike Koschyk wurde 1967 in New York geboren und wuchs in Hamburg und Travemünde auf.

Bevor sie zu schreiben begann, arbeitete sie als Heilpraktikerin in ihrer eigenen Praxis. Sie veröffentlichte Krimis, historische Romane sowie Biografien.

Ihr aktueller Roman "Die Alchemie der Nacht" ist bei Rütten & Loening erschienen. 2008 wurde Heike Koschyk mit dem Agatha-Christie-Krimipreis ausgezeichnet.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Weitere Informationen unter www.heike-koschyk.de.

 

 

Beschreibung der Redaktion: Der junge Medizinstudent Christoph Wilhelm Hufeland wird Zeuge, wie ein Kommilitone von einem Degenstoß niedergestreckt wird. Als die Leiche unter mysteriösen Umständen verschwindet, versucht er gemeinsam mit Helene, der Schwester des Toten, dieses Rätsel zu ergründen. Sie kommen einer blutigen Verschwörung auf die Spur - es geht um ein allmächtiges Heilmittel, skrupellose Menschenversuche an jungen Mädchen und die düsteren Machenschaften einer Freimaurerloge. Begleitet von Samuel Hahnemann, der seine Heilkunst der Homöopathie erst vollendet sieht, wenn er Gewissheit über eine letzte Frage gewinnt, begeben sie sich auf die Fährte einer geheimnisvollen Rezeptur, die ewiges Leben verheißt.

 

Buchdaten:
ISBN-10:3-352-00811-6
EAN: 9783352008115 Erscheinungstermin: 10.10.2011
Verlag: Ruetten & Loening Einband: gebunden
Sprache: Deutsch
Seiten: 458

Abschlussbemerkung:
Der gesamte Inhalt ist sehr kompakt, beinhaltet unzählige Geschichten und Nebengeschichten, und der Leser muss öfter mal wieder gelesene Seiten lesen, um wieder zu wissen, wo und was wo eingeordnet werden kann.
Es ist nicht einfach, weil nicht nur medizinische, sondern vor allem auch machtpolitische Kämpfe damit verbunden sind. Es geht schlicht um Macht, um das Ausschalten von Ansichten, die nicht passen, ob sie der Menschheit helfen könnten, ist zweitrangig.

Für uns nicht vorstellbar, wie damals mit neuen Erkenntnissen in der Medizin und Naturmedizin umgegangen wurde. Was hätte sein können, wären diese ganzen neuen wertvollen Forschungen nicht von den politischen Machthabern verhindert, oder sogar verfälscht worden!

Und in dieser ganzen Geschichte sind dann eben einzelne Lebensgeschichten einiger Protagonisten mit eingefügt, sonst würde sich das Buch nicht so spannend lesen, und sie sind sehr passend gewählt, sie fügen sich sehr gut in das ganze Spektrum dieser dunklen Mächte der schwarzen Alchemie ein. - (ich habe hier versucht den Buchtitel zu interpretieren, was er in meinen Augen bedeutet.

Geschickt ist es der Autorin gelungen, alle Protagonisten am Ende zusammenzuführen. Und nichts unwichtiges, das erwähnt werden muss: Alles lässt auf sorgfältige, intensive Recherchen der Autorin schließen. Insgesamt ein sehr spannend zu lesendes Buch.