Jean Marie Gustave Le Clézio

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Meine Zusammenfassung:
Alexis, Ich-Erzähler, verbringt zusammen mit seiner Schwester Laure und seinen Eltern seine Kindheit auf der Insel Mauritius, am Boucan.
Es ist ein Paradies für Alexis, und oft verlässt er nachts sein Bett und geht hinaus, um den Himmel zu betrachten, um das Meer zu riechen.
Etwas abgelegen wohnen in Hütten Schwarze, entlaufene Sklaven, die hier ansässig wurden. Und von dort kommt oft Kevin, etwas älter als Alexis. Und von Kevin lernt er wie die Pflanzen und Bäume heißen, wie man Fische fängt, wie man durch ein Zuckerrohrfeld gehen kann ohne sich zu verletzen. Und mit ihm hat er auch sein aufregendstes Erlebnis, als Kevin mit einer Piroge raus aufs Meer fährt und ihn mitnimmt.

Auszug:
„- - - - er ist nicht wie die anderen Kinder, die auf schönen Besitzungen leben. Er muss nicht immer sprechen. Er ist mein Freund, und mit seinem Schweigen, hier, neben mir, sagt er es mir auf seine Weise. Alles an diesem Ort ist schön und still. Ich betrachte die grüne Fläche der Lagune, den Gischtsaum entlang der Korallenbank und den weißen Sand der Strände, die Dünen, den mit Dornengestrüpp durchsetzten Sand, die dunklen Kasuarinen, den Schatten der Sammetpalmen, der Trompetenbäume und vor uns den verbrannten Felsen Le Morne, der einem von Seevögeln bewohnten Schloss gleicht.- - - - - “

Alexis’ Liebe zum Meer ist erwacht, und er wird nie mehr davon loskommen.
Die Eltern, in diesem alten Haus mit dem blauen Dach lebend, das einem reichen Onkel des Vaters gehört, leben zurückgezogen. Die Mutter unterrichtet Alexis und seine Schwester, eine Schule besuchen sie nicht. – Der Vater, ein Träumer und Erfinder, erklärt ihnen den Sternenhimmel.
Und die beiden Geschwister halten sich oft unter dem Dach auf, wo der Vater alte Karten aufbewahrt hat, u.a. auch über den Ort eines Schatzes, der angeblich auf der Insel Rodriguez versteckt ist. –

Als der Vater in Konkurs geht, und dazu auch noch ein Zyklon die Insel verwüstet, das Haus unbewohnbar macht, muss die Familie von dort weg und zieht nach Forest Side, eine Ortschaft, wo auch der Onkel eine Firma hat. Die Familie kann ein verfallenes Haus bewohnen. – Der Vater stirbt, und die Mutter erkrankt sehr schwer. Geht später kaum noch aus dem Haus. Alexis arbeitet in einem Büro seines Onkels.

Aber er weiß, er muss fort, aufs Meer. Seine Schwester bleibt bei der kranken Mutter. Und er findet am Hafen ein Schiff, mit Kapitän Bradmer, der immer auf seinem auf dem Deck festgeschraubten Stuhl sitzt, pausenlos raucht, sehr wortkarg ist.
Diese Reise auf dem Schiff, auf dem indischen Ozean, vorbei an vielen kleinen Inseln, wo jede ihr eigenes Geheimnis hat, manche bewohnt, manche unbewohnt.
Als sie auf Rodriguez ankommen, geht Alexis von Bord und macht sich auf, anhand seiner Karten, auf denen die Sterne und viele Kennzeichen vermerkt sind, zum Schatz auf.

Er baut sich Unterstand, wohnt auch mal in einem sogenannten Hotel im Hauptort von Rodriguez. – Er findet die Zeichen, und voller Unruhe und Unrast macht er sich auf die Suche, findet einige Zeichen, steckt sie ab, geht wieder weiter, meint ganz nahe zu sein, findet Höhlen, die er erforscht, gräbt Steine und Erde um - - - es folgt eine sehr ausführliche Schilderung dieser ganzen Suche, die, wäre sie nicht in der wunderschönen Sprache des Autors geschrieben, langweilig wäre.
Als er eines Tages schwer verletzt von einer Schwarzen gefunden wird, Uma, beginnt ein neues Kapitel für ihn.
Sie, den entlaufenen Sklaven zugehörig, die versteckt in den Bergen leben, und nie lange bleiben, immer wieder aufbrechen, und die niemals von den anderen, den Weißen gesehen werden wollen und dürfen, hatte einige Jahre in Frankreich in einem Kloster zugebracht, konnte französisch sprechen und war auch sonst gebildet. Schwarz, mit langem glänzenden Haar, groß, schlank, schön, kümmert sich um Alexis, verschwindet aber immer wieder. Um plötzlich wieder da zu sein, ihm Essen zu bringen, ihm zu zeigen wie man Fische fängt mit der Harpune, wie man sie zubereitet, wie man auch ohne Feuerzeug ein Feuer entfacht, und noch vieles mehr.
Und es entwickelt sich eine zarte, außergewöhnliche Liebesgeschichte. Er erzählte ihr seine Lebensgeschichte, auf Mauritius, am Boucan, und sie erzählte ihm, wie es dazu kam, dass sie von Frankreich wieder zurück auf Rodriguez kam, zurück zu ihrer leiblichen Mutter und ihrem kleinen Bruder.

Für seine Suche nach dem Gold-Schatz hat sie nur ein verächtliches Grinsen übrig. Als Alexis endlich nach vielen Monaten einsehen muss, dass es keinen Schatz gibt, eine Höhle, wo er ihn vermutet hatte, ist leer, gibt er sich damit zufrieden.
Als ihn eine Nachricht erreicht, dass die Mutter dem Tode nahe ist, macht er sich auf den Weg zurück nach Mauritius, findet auch das Schiff am Hafen, mit dem Kapitän wieder, und reist zurück. Vorher wollte er noch von Uma Abschied nehmen, aber sie wusste es, ohne dass er es ihr gesagt hätte. - - -

Auszug: „ - - - - und gestern Abend war sie nur gekommen, um Abschied zu nehmen, sie wusste also alles, sie kannte mein Geheimnis - - - und deshalb verbarg sie ihr Gesicht, und darum war ihre Stimme so hart und bitter, als sie mir vom Gold sprach, als sie sagte: ‚ihr Leute aus der großen Welt.’"

Er kehrt wieder zurück, nachdem die Mutter gestorben war, Uma ist noch da, und alles wird wieder in dieser poetischen Sprache geschildert, die Natur, das Meer, ihr Zusammenleben, und alles - - - - .

Es ist das Jahr 1914, und im Ort ergeht ein Aufruf an alle, sich zu melden zum Kriegsdienst, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Und es melden sich alle Männer der Insel, ziehen freudig in den Krieg. Jetzt folgen lange, lange, grausame Schilderungen des ersten Weltkrieges in Belgien, Frankreich usw., - und Alexis ist der einzige, der lebend nach 1918 auf die Insel zurückkehrt.
Er sucht seinen damaligen Unterschlupf, unter einer großen Tamarinde, aber es ist nur ein Stumpf da. Unwetter haben alles unkenntlich gemacht, nichts ist mehr da. Er richtet sich ein Zelt ein und macht sich auf die Suche nach Uma.

Und je mehr er überlegt und nachsinnt über seine Unterlagen, wo zum Schatz hätten führen sollen, kommt er drauf, dass das alles eigentlich nur ein Abbild des Sternenhimmels ist. Alle Zeichen, alles, ist am Himmel zu finden. Das Gold ist ein Phantom - - - -. Und er erinnert sich an die Worte von Uma: "Das Gold ist nichts wert, man muss keine Angst vor ihm haben, es ist wie die Skorpione, die nur den stechen, der Angst hat.."

Er kehrt an den Boucan zurück, möchte endlich in das von den weißen niemals betretene Stück Land gehen, wo die Schwarzen leben, nach Mananava. Und dort trifft er Uma.
Sie verleben Tage des Glücks, eins mit der Natur.
Eines Tages ist Uma fort. Englische Soldaten hatten das Flüchtlingslager der Schwarzen umstellt, die Leute, Komorer, Leute aus den vielen Inseln, indische und pakistanische Kulis, waren eingezäunt, keiner konnte raus, keiner kam rein. Alexis vermutet Uma dort.
Sie war, weil sie wusste dass ihr Bruder im Lager ist, freiwillig dorthin gegangen.
Auszug: „Wiederum kehre ich nach Mananava zurück, an den geheimnisvollsten Ort der Welt. Ich erinnere mich, dass ich früher glaubte, hier entstehe die Nacht und ziehe dann an den Flüssen entlang bis zum Meer. Ich gehe langsam durch den triefenden Wald, folge den Bachläufen. Überall um mich fühle ich Umas Gegenwart, im Schatten der Ebenholzbäume mischt5 sich der Duft ihres Körpers mit dem Geruch der Blätter, ich höre das Rascheln ihrer Schritte im Wind.“ - - - - - -

In Gedanken wird er zum Hafen gehen, sich sein Schiff aussuchen. Es ist die Argo, ein Schiff am Himmel - - - . - - - - -" wir sind allein auf dem Meer, die einzigen lebenden Menschen. Dann ist Uma wieder bei mir, ich fühle die Wärme ihres Körpers, ihren Atem, ich höre ihr Herz schlagen. Wohin wird unsere gemeinsame Reise gehen? Nach Agalega, Aldabra, Juan de Nova? Die Inseln sind ohne Zahl. Vielleicht werden wir dem Verbot trotzen und nach Saint-Brandon fahren, dorthin, wo Kapitän Bradmer und sein Steuermann Zuflucht gefunden haben? Auf die andere Seite der Welt, an einen Ort, wo man die Zeichen des Himmels nicht mehr fürchtet noch den Krieg der Menschen. Jetzt ist es Nacht, ich höre bis in mein Innerstes das lebendige Geräusch des nahenden Meeres.“ - - - - -

Mit diesen Sätzen endet die Geschichte.

 

 

Dieses Buch suchte ich, als der Literaturnobelpreis 2008 vergeben wurde an Jean-Marie Gustave Le Clézio. Ich fand dann zunächst mal dieses Buch, meine Ausgabe ist noch eine aus der damaligen DDR, Verlag Volk und Welt Berlin. Wurde dann bei KiWi nochmal verlegt.

Der Autor wurde zu diesem Buch von den aufgeschriebenen Geschichten seines Großvaters inspiriert, der als Goldsucher in Rodriguez war.

Jean-Marie Gustave Le Clézio wurde 1940 in Nizza geboren und studierte in Frankreich und England Literatur.

Er veröffentlichte über dreißig Bücher - Romane, Erzählungen und Essays.
Der promovierte Literaturwissenschaftler zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftstellern.

2008 wurde Jean-Marie Gustave Le Clézio der Nobelpreis für Literatur verliehen.

 

Daten zum Buch:

Gebundene Ausgabe:
380 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage:
1 (15. Oktober 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10:3462041223
ISBN-13: 978-3462041224

 

LeClezio_aktuellerBuchtitel

Aus dem Französischen von Rolf und Hedda Soellner.

 

 

Mein Cover, das ich hier zeige ist das der ersten Ausgabe 1989 im Verlag Volk und Welt Berlin.

 

 

 

 

 

Eine Geschichte, die mich eingeladen hat, mit auf die Reise zu gehen;
durch ferne Länder, unbekannte und bekannte Inseln, durch Stürme und gewaltige Naturereignisse. Auf einer Reise durch den Indischen Ozean, zwischen Menschen aller Hautfarben und Arten.

Wer nur Spannung oder eine einfache Geschichte erwartet, wird eines Besseren belehrt. Es ist eine sehr spannende Geschichte, aber eben mit sehr viel Poesie erzählt, und hält sich auf an Wahrnehmungen, Schilderungen von Eindrücken, aber so erzählt, dass man sich als Leser mittendrin fühlt.

Die Schilderung nach der Suche eines Goldschatzes dient meiner Meinung nach dazu, zu versinnbildlichen, dass das Glück dieser Welt nicht im Gold zu suchen ist.

Die Schilderung der Kriegsereignisse 1914/1918 waren nicht unbedingt nötig, jedoch im Nachhinein wichtig, um das Streben der Menschen, ihre Lust am Krieg, ihre Lust am Töten aufzuzeigen;
im Gegenspiel dann die Klugheit dieser Uma, die viel besser weiß, dass alleine das Streben nach Gold der Untergang ist. Und die genau weiß, wie die Weißen einzuschätzen sind, mit ihrer Machtgier, ihrer Sucht nach Gold, und die dabei die Natur verachten, sie vernichten, aber nicht nur das, sondern sich auch gegenseitig vernichten. – Und nicht zuletzt die Schwarzen unterdrücken, vertreiben, sich ihrer angestammten Lebensräume bemächtigen.

Nach diesem ersten Buch des Nobelpreisträgers das ich gelesen habe, werde ich sicher ein weiteres von ihm lesen.

Er schreibt in einer wunderschönen Sprache, und die Übersetzer haben das m.E. hervorragend übersetzt.