Kate Grenville

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Klappentext:
"Als der Londoner Fährmann William Thornhill 1806 mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn an Bord der *Alexander* gebracht wird, ist er dem Tod gerade noch entronnen. Hunger und Armut hatten ihn zum Gelegenheitsdieb werden lassen - ein Verbrechen, auf das die Todesstrafe steht. Nur dank seiner Frau Sal wurde die Strafe umgewandelt in lebenslange Verbannung nach Australien. Am anderen Ende der Welt, in der kleinen britischen Ansiedlung Sydney, baut sich die Familie eine neue Existenz auf. William erfährt, dass man als Sträfling durch Arbeit zu einem freien und wohlhabenden Menschen werden kann. Eines Tages begegnet er Thomas Blackwood, einem Freund aus Londoner Tagen. Dieser betreibt einen erfolgreichen Paketboothandel zwischen Sydney und einem verborgenen Fluss im Landesinnern, an dem sich einige Siedler niedergelassen haben, um auf dem fruchtbaren Boden Gemüse anzubauen. Thornhill heuert bei Blackwood an und ist sofort begeistert von der abgelegenen Gegend am Fluss. Hier kann er den Traum verwirklichen, der ihm in London immer verwehrt blieb: den Besitz von einem Stück Land und einem eigenen Haus. Seine Frau ist zunächst skeptisch - denn am neuen Ort erwarten sie nicht nur Einsamkeit und eine geheimnisvolle, wilde Natur, sondern auch die direkte Nähe der Eingeborenen. Doch mit der Zeit lernen die Thornhills, in friedlicher Nachbarschaft mit den Aborigines zu leben. Sie zollen ihnen Respekt, begreifen etwas von ihrer Grundregel des Gebens und Nehmens. Den meisten anderen Siedlern ist die Einstellung jedoch völlig fremd: Mit brutaler Arroganz spielen sie sich als Herren auf und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Ausschreitungen und Überfälle werden auf beiden Seiten immer häufiger. Und William muss sich irgendwann entscheiden, für wen er Partei ergreifen will…"

 

 

 

 

Kate Grenville, bereits mit dem renommierten "Orange Prize" ausgezeichnet, gehört zu den bedeutendsten und international erfolgreichsten Autoren Australiens. "Der verborgene Fluss" wurde zum weltweiten Bestseller und erhielt den Commonwealth-Preis 2006.

Wer dieses Buch liest, wird sich von seinem Vorurteil, die Australier wären alles ehemalige Verbrecher/Sträflinge, die aus England ausgewiesen wurden, befreien müssen. Es wurden nämlich Ende des 18./Anfang 19. Jahrhunderts Leute, die immer gearbeitet hatten, von einem Tag zum anderen bettelarm, hatten keine Arbeit, keine Wohnung, nichts mehr. Um nicht zu verhungern blieb ihnen nichts anderes übrig, als durch Diebstähle, die meistens sehr harmlos waren, durchzukommen. Auf geringste Diebstähle folgte das Todesurteil. Und wenn einer nicht schreiben konnte (und damals konnten die wenigsten schreiben und lesen) hatte er keinerlei Chance, nochmal davonzukommen. Konnte man irgendwie zu einem Kredit kommen, um einen *Schreiber* zu bezahlen, der auch noch Kontakt zu dem Grafen hatte, der Begnadigungen aussprechen konnte, konnte man ein Gnadengesuch schreiben lassen, mit bestimmten Formulierungen, und die Todesstrafe wurde umgewandelt in lebenslange Verbannung nach Australien.

Die Reise auf einem Sträflingsschiff dauerte meistens 10 oder mehr Monate, und allein die Reise war schon unbeschreiblich. Hatte jemand seine Frau als *Betreuer* beantragt, konnte sie mitreisen, in Australien war sie dann die Herrin, also die Besitzerin des Sträflings. Thornhill konnte also Sale, seine Frau mitnehmen, und seinen kleinen, vierjährigen Sohn. Auf dem Schiff waren aber die Männer von den Frauen getrennt und auf dem Schiff sahen sie sich während dieser vielen Monate nur sehr selten mal. Dort angekommen, wartete auf Thornhill, Sale und das Kind lediglich ein nackter Boden mit nichts drauf. Weder ein Zelt noch sonst ein Unterschlupf war vorhanden und die ersten Nächte mussten sie auf dem blanken Boden unter freiem Himmel schlafen. Aus irgendwelchen Abfällen die herumlagen, erstellten sie ein Zelt, und so lebten sie die ersten Wochen.

Die nächsten 20 Jahren werden sehr interessant geschildert; es ist ein stetiger, aber sehr steiniger Aufstieg der kleinen Familie, die noch 4 weitere Kinder bekommt. Thornhill war relativ schnell wieder ein "freier Mann", es war eine reine Formsache. Ein Stück Land konnte damals in diesem Landstrich mit Billigung des britischen Gouverneurs einfach *besetzt* werden, es wurde eingetragen und es gehörte demjenigen, der zuerst darauf wohnte. Aber es war sehr schwierig, dem urwaldähnlichen Gebiet Ackerland abzugewinnen und die kleine Familie schuftete in der Gluthitze dieser Gegend bis zur Erschöpfung, viele Monate lang. Aborigines lebten ganz in der Nähe, und die Familie fühlte sich ständig bedroht; es kam auch vor, dass die Eingeborenen einfach das Feld abernteten, also die Früchte der Arbeit einfach stahlen, wo die Familie monatelang gehegt und gepflegt hatte.

Es gab viele kritische Situationen, die schließlich darin gipfelten, dass sich einige Siedler, die sich inzwischen auch am Fluss niedergelassen hatten, zusammentaten und die Eingeborenen abschlachteten, ihre Hütten und Behausungen verbrannten usw. - aber vorangegangen war auch, dass die Eingeborenen dasselbe mit den Siedlern gemacht hatten. - Es war sehr schwer mit den Aborigines in Kontakt zu kommen, keiner verstand die Sprache des anderen. Natürlich ähneln die Begebenheiten, die in diesem Buch geschildert werden, vielen anderen in vielen anderen Büchern, die in Australien um diese Zeit spielen. Aber dieses ist ganz besonders gelungen, finde ich. Die Schilderungen der Natur, wie sie Thornhill mit seinen Augen sieht, die feine Herausarbeitung der Gedanken und Überzeugungen, die er gewinnt, die Auseinandersetzung wegen des Umgangs mit den Eingeborenen usw., sind hervorragend beschrieben.

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