Markus Köhle

Mein Versuch einer Zusammenfassung:

Nachdem ich mich über den Begriff bzw. der Bedeutung des Worte des Titels schlau gemacht habe, bleibt bei mir hängen, es dreht sich um etwas Schwieriges, Unberechenbares. Genau bitte in Wikipedia nachlesen).

Das Buch ist in drei Hauptkapitel gegliedert, die wiederum einige Unterkapitel haben. Und ich fange einfach mal an, in Betracht ziehend, dass jemand das Buch noch nie gesehen hat und etwas darüber wissen möchte.

firn (1. Kapitel)

Verblühung
Eine fette Sonne, ein Frühlingstag; da gibt's Ameisen, eine Krähe die nicht jodeln kann, Maulkörbe baumeln in Rucksäcken, Hodensäcke in Jogginghosen, von Sonnenbrillen abgeschirmte Stielaugen, und es geht um Hasenglöckchen, holde Puschkinien, einigen wird Laubmulch zu Füßen gelegt, als Zeichen der Verehrung.

Sturzgut und Mollsplit
Hier geht es u.a. ums Schreiben schlechthin. Auszug: "Rezept: Als Dichter musst du aus dem Soziales Ästhetisches rauspicken und dies dann klischeefrei hochwürgen. Ein Dichter ist also Umweltpicker und Wahrheitsrüger. Besser als Hühnerficker und Spießbürger." Aber es geht auch um den (Zitat) "Samenstauberater, der mal Sinnkehraus machen soll. Der antwortet, nichts lieber als das: Salpetersenf mit Tuba im Doppelbett unter der Steppdecke und der Fahrwasserkocher streikt." Es gibt noch mehr aus der Küche: Pfannenstielbruch, Salatschleudertrauma und so weiter - - -

Notizbuchverdichtungen
Zuerst gibt's einen "Kniefall mit Haarnetz und doppelten Boden im Lieblingskaffeesatz. Sackkratzer Schwindel als Regulativ." - Und irgendwo dazwischen ein Tipp: "Merke außerdem: Es gibt ganz wenige Menschen auf der Erde, die so dumm sind wie Akademiker! Fritz weiß wovon der spricht."
Und dann eine ausführliche Erklärung, bzw. eine Definition des Wortes ZWEX: "- - ist zwischen Zwang, Zweckdienlichkeit und Zärtlichkeit angesiedelte sexuelle Befriedigung mit einvernehmlichem, gegenseitigem Einlenken und -führen. - Problem: ZWEX gibt es noch nicht."

Körperrevolte
Zuerst packt er sich seine "Zunge und sagte ihr gehörig die Meinung und machte sie solange zur Schnecke, bis sie ganz schrumpelig wurde und sich kleinlaut zurückzog. - -" Lippen, Hirn, alles wird jetzt ausführlich beschrieben; aber auch die Hose: " - - oh Hose meine Hose, wir sind ein Traumpaar! Und Vorhang auf, Hose runter. Den Vorhautfaden verlieren. Ungestüme Handhabe dafür verantwortlich machen, aber immer noch eine reizende Eichel haben. Das lässt auf ein eindeutiges Hobby schließen. Mütze zu."

Auspuppen
" - - - - dass versintern einbrennen heißt der Arsch einer Verszeile, Vershintern der Ziehvers Pull-Vers und die Reaktion manch Pulvers bisweilen explosiv ist, ist eine Sache." Aber es wird auch noch erklärt, wie Yoga wirkt, bzw. Hot-Yoga; es wird der Körper erhitzt, damit die Anstrengung schneller geht.

Ruhmreiche Begattentäterbekämpfung
Da rührt einer einen anderen in seinen Brühwarmbrei und ruft, er soll sich nicht tapezieren, und nicht anschwärzen; dann brachte der andere sein Kotkatapult in Stellung und beschiss den anderen. - Soweit zu diesem Kapitel -.

Verhackertes
Er beginnt dann mit der Spreu, fährt seine Netzegge hoch und checkt die eingegangenen Mehlsackerln. Und es gibt noch ein paar Tipps für Hacker, z.b. dass er seine fünf Körner beisammen haben muss, und es für ihn nichts schöneres gibt, als mit der Netzegge weltweit Strohballen zu durchstöbern - - - .

O.P.k.o. - Oskar Pastior ist himmlisch
Es geht eigentlich nur um den Lingualexistenzialisten und Krimgotischerfinder. Und ein paar Tipps kostenlos: " - - - -Lautgedicht: Bellballade für kalte Schnauzen mit kurzen Schwänzen, kläftig intoniert vorzutragen: Wuff, Röchel, Japs, Aus!"

harsch (2. Kapitel)

Sommerkamingespräche
- - - da gibt es Überlegungen, ob er ein Spracheigenbewegungsopfer geworden ist. (wird für möglich gehalten). Und er fragt sich auch, wie lange es noch dauert, bis Automatentomaten so selbstverständlich wie Dosengulasch sind. Und dann geht's auch noch um ein Paar, er Herzabschneider, sie jedermanns Hodensdame.

Die Entleerung (zum Mitsinnen)
U.a. meint der eine zum anderen, er sei ein Flaumbart-Flaubert, sonst nichts. Der fragt dann, was eine Glossolalie ist. Wird erklärt, es sei eine Äußerung von unverständlichen Silben. Aha, alles klar, Und es wird empfohlen, an etwas zu glauben, bevor man es versteht. Auch klar, oder ???

Verweiger mal wieder
Zwei unterhalten sich, einige Worte, die in der Unterhaltung vorkommen: "du verkapitalismusmüllst mich" "- - - ich bin Wetterfroschschenkelhaubenkoch- - - "

Freelancer des Geistes
hier nur ein Zitat: "hallo du blauäugige Winkelkopfagame. Ich bin weder blauäugig, noch Echse. Hast keine Saugnäpfe und Haftscheiben, keinen Hahnenkamm und keinen Heckspoiler? Ach du, du Dummdusel du. Komm begrüssungsküss mich!"

Nachwort
endet sehr wissenschaftlich, es seien bisher 1,8 Millionen Tierarten beschrieben worden, was ein Zehntel aller Tierarten sein dürfte. und: " - - - die Sprache hechelt immer ihrer Zeit hinterher, jedes Wort ein Nachwort. Jedes Wort ein Nachwort? Ja! Schlusswort? Weitermachen! "

Ideenbehandlung heutzutage
Zunächst als Idee der Vorschlag, dass ein Hammer fürs Leben helfen kann, wenn man mit Steinen umzugehen weiß. - - - und es wird eine interessante Frage behandelt: "Warum wandern Seelen und fliegen Herzen? - - Wenn man die Seele baumeln lassen will, braucht man erstens eine Seele und zweitens eine Art Seelenliane."

Alltagsallotria eines Kopralisten
Beginnt mit der Begrüßung: "Kein Politikfickgedicht im Arsch, was? Auch keine Ahnung wie breit die Palette der Damenklosprüche gefächert ist, hm? - - - - " und endet mit einem gemeinsamen Bier, das bei dem einen die Tics dämpfen soll.

Die Schwätzer
Eine Diskussion, ob, wenn der eine Milch wäre, Rosen zum Kakao möchte. Und folgt eine poetische Aussprache über diese Problematik. Schnaps aus Aus dem Herrgottswinkel alter Zeiten ist eine leuchtend bellende Wandkonsole geworden, mit Schollenästhetik und einer traurigen Anschraubplatte. Ein Eierlaufsteilpass als Hilfe wird in Erwägung gezogen, aber noch vieles anders - - - z.B.: "Genug! Wenn sich nichts mehr unter den Teppich kehren lässt und im Teppich Gewürms herrscht, wenn Ameisen auf leisen Sohlen Bier holen gehen und im Kühlschrank außerdem blaue Ampeln stehen, dann soll man besser nichts mehr oder noch viel mehr trinken. Klappe zu und Schnaps ahoi."

Unterwasser-Blues
unter dem üblichen Begrüßungsgeplänkel ("Hai! - Hai! Stör ich? -nein alles Lachs -na dann ist ja alles butt - Heilbutt Alter, Heilbutt. - - - usw.) wird erklärt, wie Meeressäugetiere unter Wasser schlafen. Hat was mit dem Hirn zu tun, das in zwei Hälften geteilt ist, das eine schläft, während das andere aufpasst. - jaja, so einfach ist das - - .

Frohlockenskopf Freudenanrufung
Es geht um Freude, wie der Überschrift schon zu entnehmen ist. Und es geht darum, die Freude herzlich einzuladen. Einfach die Euphorielawine lostreten - - -. und das Kapitel endet mit einem Heiligenschein, der breiter gemacht werden soll, glänzender lackiert werden soll. JA!!

sulz (3. Kapitel)

Ungerechtigkeit rächt und lohnt sich
"1. Der Autor wird zum Tode verurteilt.
2. Der Autor nimmt das Kreuz auf seine Schultern.
3. Der Autor fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
4. Der Autor begegnet seiner Mutter
5. Simon von Kyrene hilft dem Autor, das Kreuz zu tragen
6. Veronika reicht dem Autor das Schweißtuch
7. Der Autor begegnet den weinenden Frauen
-----8 - 13 lasse ich mal aus
14. Der Leichnam des Autors wird ins Grab gelegt.

Bordtreffflirt
In diesem Kapitel gibt es eine Handlung!! Er trifft sie, sie telefoniert mit ihrem Handy, während sie mit suppenlöffelartigem Besteck Berge von Essen in sich schaufelt. Als sie dann endlich mit Telefonieren aufhört meint sie zum ihm: "He du Hampelmann, etwas Konfitüre wäre noch da, wenn du dir die ins Haar schmierst, lade ich dich auf einen Kaffee ein." - Ende des Kapitel, von mir sehr, sehr verkürzt dargestellt - - - .

Aus der Familienchronik von Schreibhals und Schreibschrei
Schreibhals und Schreihals sind Brüder. War klar für mich. Und das Kapitel endet mit der Erklärung, dass Schreibschrei das Produkt einer Affäre zwischen dem stummen Schrei nach Liebe und der Scheibblockade ist. Auch das ist klar, oder?

Ganz Ich
Begrüßung auf dem Bahnsteig xy ungelöst. Bis schließlich der Autor ob seiner Kopfgeburt die Kontrolle über die Geschichte verliert, und es dem Gesprächspartner gelingt, es sich aus dem Staub zu machen.

Loops des Grauens
Ein grauenhaftes Szenario: er wacht auf und neben ihm liegt: kein Thema!! Irgendwann wird dann die Angst erklärt, die Leute angeblich vor Umweltschäden haben. In Wirklichkeit haben sie Angst vor ihrem eigenen Haus!! Und dann erwacht er wieder, und immer noch liegt kein Thema neben ihm!!! Und das Loops des Grauens geht weiter.

Todesdienst
Seine Mutter war ein guter Kerl. Und er ging mit ihr immer zum Dienstleistungenkonsumieren (oha, war das jetzt ein Wort von mir???) - keine Ahnung. Und schließlich das Schlusswort des Autors:
Zitat: "Ich übersiedelte in die Landeshauptstadt und wechselte den Beruf, was recht einfach ist, wenn man keinen erlernt hat. Ich schrieb - um Schadensvermeidung bemüht - das Buch Bruchharsch, denn von Texten kann man nur vorübergehend erschlagen werden."

 

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Markus Köhle,

geb. 1975 in Nassereith/Tirol,
lebt in Wien.

Studium der Germanistik und Romanistik in Innsbruck und Rom.

Arbeitete als Forschungsassistent an der Universität Innsbruck über Literaturzeitschriften in Österreich.

Organisator von Peotry Slams und Lesebühnen-Events, Kolumnis (20er, DdUM), Rezensent (u.a. Schreibtkraft, thegap, Literaturhaus Wien und Innsbruck)

Seit 2006 freier Autor. Staatstipendium für Literatur 2008/2009.

 

Daten zum Buch:

2009, Skarabaeus
170 Seiten,
ISBN-10: 3708232593
ISBN-13: 9783708232591
16,90 Euro

 

 

Text auf dem Titel, falls ihn jemand nicht lesen kann:

"Bruchharsch ist ein Wedeln in Sprachhängen, ein Gleiten von Form zu Form,
eine normbrechende Wortlawine.
Kritisch und alltäglich, komisch
und grotesk sind die Szenen, die mit Getöse die Prosapiste hinunterdonnern."

Meine abschließende Meinung
Zunächst klirrt mir der Kropf, ob des eskapierenden, waschtrommelfeuerspuckenden Wortwitzes im wahrsten Witze des Wortes, mit seiner luftpumpenblasenbildenden Logik. Oh pardon, das ist mir so rausgerutscht, ist ein logisches Ergebnis nach dem Lesen dieses Buches.

Was ich damit sagen will?
Wer Spaß hat, mit der Sprache, den Wörtern und Wortzusammensetzungen zu experimentieren, der wird voll bedient und zufrieden gestellt vom Autor; und nicht nur das.
Sondern: Automatisch bildet der Leser selbst aus allen möglichen Worten Zusammensetzungen.

Und es ist ein unerschöpfliches Terrarium, unser Sprachaquarium!!

Und mit diesem Werkzeug der Sprache geht der Autor an jedes Thema.
Alltägliches, oder auch nicht so alltägliches, in allen möglichen Lebenslagen und Orten finden seine Dialoge statt, ob mit anderen, einem anderen, oder nur mit sich selbst.

Überraschend ist , dass das ganze Buch sehr spannend zu lesen ist. Obwohl vordergründig keine Handlung zu erkennen ist. Das schafft der Autor sehr gekonnt!.