Siegfried Lenz

deutschstunde-titel

Meine Zusammenfassung
Siggi Jepsen hat eine Strafarbeit aufbekommen und wird vom Wärter Joswig, der selbst, so entsteht der Eindruck, fast mehr leidet als Siggi, in sein *festes Zimmer* gebracht. Joswig schüttelt die Matratze auf, kontrolliert die Gitterstäbe am Fenster, guckt auch hinter dem Spiegel, inspiziert dieses feste Zimmer. Das feste Zimmer ist nichts anderes als eine Zelle, allerdings mit einem Fenster, von dem aus man die Elbe gut sehen kann. Die Strafarbeit hat Siggi deshalb aufbekommen, weil der Deutschlehrer einen Aufsatz aufgab mit dem Titel: „Die Freuden der Pflicht“. –
Siggi, eigentlich ein sehr guter Schüler, er besuchte ja vor seiner Inhaftierung (oder wie es in diesem Buch genannt wird: Anstalt für schwer erziehbare junge Männer) ein Gymnasium, saß lange vor seinem Heft, und als alle anderen so nach und nach ihren Aufsatz abgegeben hatten, sitzt er immer noch vor seinem Heft. –Es ist leer. Er hat über das Thema nachgedacht, und erstmal sortiert, was er da schreiben könnte. Und dabei bemerkt, dass das so viel ist, und er das unmöglich in kurzer Zeit aufschreiben kann. Er gibt das leere Heft ab und bekommt deshalb als Strafarbeit diesen Aufsatz. Allerdings in einer Zelle zu schreiben; deshalb wird er vom Wärter Joswig ja in diese Zelle gebracht. Normalerweise wohnen die jungen Männer in Gemeinschaftsschlafzimmern, meistens zu zweit, und haben freien Auslauf auf dem ganzen Gelände, machen Berufsausbildungen, gehen Freizeitbeschäftigungen nach usw.
Siggi macht das gar nichts aus, er beginnt zu schreiben. –
Als kleiner Junge, mit einer viel älteren Schwester wächst er in einem spießbürgerlichen Elternhaus auf, der Vater ist der Dorfpolizist. Eine ganz wichtige Rolle spielt der Maler, der in der Nähe ein Haus mit Atelier bewohnt, für den kleinen Jungen. Der Vater von Siggi und der Maler sind eigentlich befreundet, gute Nachbarn sozusagen. –
Es ist während des 2. Weltkrieges, und eines Tages bekommt der Maler *Malverbot* und seine Bilder werden beschlagnahmt, Siggis Vater wird mit dem Überwachen des Verbots beauftragt und mit der Einziehung der vorhandenen Bilder. So werden fast alle Bilder nach Berlin verbracht. – Siggis Vater nimmt seine Pflicht nicht nur ernst, nein, es scheint ihm sogar auch noch Freude zu bereiten - - - -

Siggi beobachtet das alles, schildert seine Gefühle bei diesen seltsamen dienstlichen Pflichten seines Vaters. – Siggi beginnt schließlich, einige Bilder, die zu ihm sprechen, und zu denen er ein ganz besonderes Verhältnis hat, zu verstecken, bzw. zu *retten*. – Und wird so zum Gegner seines Vaters. –

Siggi beschreibt nun in tausend Einzelheiten die Begebenheiten und Verhaltensweisen von allen Beteiligten während dieser Zeit. Und es sind sehr oft Persiflagen, mit hintergründigem Humor geschildert, humoristisch bzw. satirisch fast beschrieben. Nach Ende des Krieges, als dieses Malverbot wieder aufgehoben wird, beharrt Siggis Vater immer noch auf der Ausführung dieses damaligen Befehls - - und Siggi *rettet* so viele Bilder als möglich, versteckt sie usw. –
Der Vater steckt dann die Mühle in Brand, wo Siggi die meisten Bilder versteckt hatte. Im Elternhaus selbst hatte Siggi auch Bilder versteckt, die entdeckt der Vater auch - - -

Einige Jahre später, der Krieg ist längst zu Ende, und Siggi ist immer noch dabei, die Bilder des inzwischen sehr berühmten Malers zu retten, was aber dann als Diebstahl ausgelegt wird, und deshalb wird er dann schließlich dazu verurteilt, in dieser Besserungsanstalt einige Jahre zu verbringen - - -.

Am Ende wird Siggi vorzeitig entlassen aus der Anstalt, er hatte unzählige Hefte voll geschrieben, seine Strafarbeitszeit wurde von ihm selbst monatelang verlängert, immer erbat er sich neue Hefte und Bleistifte, er genoss von Joswig alle nur möglichen *Hafterleichterungen*, einer der zig Psychologen, die diese Anstalt regelmäßig *heimsuchten*, wurde fast ein Freund von ihm, hatte dieser doch diesen Aufsatz von Siggi als Thema seiner Diplomarbeit genommen und Siggi dann auch diese zum Lesen oder auch evtl. Änderungen immer wieder vorgelegt.

Also Siggi wird entlassen, und er stellt sich das so vor: „ - - - -Und Himpel? (das ist der Direktor dieser Anstalt) – Der wird sich vergnügt geben, aufgeräumt, der wird kameradschaftlich tun und mir eine Hand auf die Schulter legen, und falls ihm gerade ein Liedchen gelungen ist, wird er mir womöglich eine Tasse Tee anbieten. Ich werde die Strafarbeit auf seinen Schreibtisch legen; er wird nachdenklich, mit nickender Anerkennung darin blättern, ohne sich festzulesen. Eine Handbewegung, und wir werden uns setzen, werden einander reglos gegenübersitzen, zufrieden mit uns, weil jeder das Gefühl haben wird, gewonnen zu haben.“

 


 

"Lenz Siegfried wurde am 17.03.1926 in Lyck/Masuren geboren. Das nach der Vertreibung aus Ostpreußen aufgenommene Studium der Philosophie, Literatur und Anglistik bracht er aus finanziellen Gründen ab. Bis 1951 arbeitete Lenz als Feuilleton-Redakteur.

Seitdem ist er freier Schriftsteller, lebt in Hamburg und Dänemark.

Neben seinem umfangreichen erzählerischen Werk hat er Essays, Theaterstücke und Hörspiele veröffentlicht.

Bekannt wurde Siegfried Lenz durch seine großen Romane, stellvertretend sind vor allem zu nennen:

„Es waren Habichte in der Luft“ (1951),

„Der Mann im Strom“ 81957),

„Deutschstunde“ (1968),

„Heimatmuseum“ (1978) und

„Der Verlust“ (1981)."

 

(dem Klappentext entnommen)

Siegfried Lenz schreibt in seiner unnachahmlichen Art: politischer, sozialer Hintergrund, gespickt mit Schilderungen der Eigenarten bestimmter Personen in unterschiedlichen Situationen, garniert mit Ironie, Sarkasmus und, ja genau, mit Humor! Das Buch ist zwar von Anfang an schon recht spannend, doch dauert es schon mindestens 100 bis 150 Seiten, bis man sich so richtig eingelesen hat. Mir ging es jedenfalls so. Dann jedoch hat man verstanden, was eigentlich gesagt werden soll, und muss unbedingt weiterlesen. Es war ein großer Genuss, dieses Buch von Lenz zu lesen; auch wenn es eine Zeit beschreibt, die längst vergangen ist. Aber die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Menschen damals lassen sich jederzeit in eine x-beliebige Zeit transferieren, und deshalb ist der Inhalt so aktuell wie eh und je.

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