Jain Levison
Hoffnung ist Gift

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noch Hoffnung? - abgehakt….

Meine Zusammenfassung:
Wir sind sofort bei Jeff, als er Taxi fährt und auf dem Weg zum Flughafen ist. Dort wo die vielen Taxen stehen, stellt er sich auch an. Da steigt eine hübsche, blonde Frau ein, er riecht teures Parfüm. - "Kennen Sie Westboro?" fragt sie. - "Ja, kenn ich" - Mindestens halbe Stunde Fahrzeit, rechnete er schnell für sich aus, 60 Dollar könnten rausspringen. Er fährt los, die Frau telefoniert mit ihrem Handy, einiges kann er mithören, ihren Kindern kündigt sie an, in einer halben Stunde zuhause zu sein. Sie macht dann noch eine Bemerkung zu ihm, er sei wohl Amerikaner, ist der Taxilizenz zu entnehmen, die am Fenster angebracht ist.
Als sie dann in eine vornehmere Gegend kommen, soll er bis zum dritten Haus fahren. - Vor dem Haus ist ein riesiger Park usw. - Sie kramt in ihrer Tasche, bemerkt, dass sie kein Geld da hat. Und sie bittet ihn, kurz mit hineinzukommen, sie kann dann Bargeld holen. - Gut. Er bittet dann, zum WC zu dürfen, ist in Ordnung. Er geht ins Badezimmer, sie geht die Treppe hoch.

Sie bleibt recht lange oben, er hört wie sie telefoniert. Er sieht sich in der riesengroßen, sehr komfortablen Küche um, die die Größe seiner gesamten Wohnung hat. Er wartet, sieht auch ein Kinderzimmer, die Tür steht offen. Es ist niemand drin, er geht zum Fenster, den vielen Spielsachen ausweichend, die herumliegen, weil er einen auffallenden blauen Streifen auf dem Fensterrahmen ausgemacht hat, den er kennt. Er hatte vor einiger Zeit auch bei einer Fensterfirma gearbeitet, die genau hier auch die Fenster eingesetzt hat. - Er ist neugierig, drückt das nicht zugesperrte Fenster leicht auf, um zu sehen, ob er die Initialen dieser Firma findet, nein, sind nicht da, er drückt das Fenster wieder zu.

"Wenn ich aus alldem etwas gelernt habe, dann dies: rühr niemals die Fenster fremder Leute an!"

Die Frau eilt dann die Treppe herunter, gibt ihm das Geld, wünscht noch Gute Fahrt…..
Auf seiner Fahrt dann nachhause, es ist spät, sieht er zwei Mädchen, die mehr schwankend am Straßenrand entlanglaufen. Er weiß, ca. 1 km entfernt ist eine College-Unterkunft, und hält an. Dass sie kein Geld haben, stört ihn nicht, er fährt da ohnehin entlang, sie dürfen kostenlos mitfahren. Das eine Mädchen ist sehr betrunken oder bekifft, das andere telefoniert, und er hört, wie sie zu jemand sagt, dass ein Taxifahrer sie umsonst mitnimmt, nennt auch seinen Namen, Jeff Sutton, kann sie an der Lizenz an der Frontscheibe ablesen. -
Da muss er abrupt anhalten, weil das eine Mädchen schlicht in sein Taxi gekotzt hat. Naja, da muss er halt nachher gleich in die Waschanlage, alles säubern, sonst stinkt das Taxi wochenlang. Die Mädchen steigen dann aus, und er fährt in die Garage, um das Auto zu reinigen.

"Wenn ich aus der Sache was gelernt habe, dann dieses:

‚Geh niemals mit dem Dampfreiniger übers Auto, nachdem du die Fenster fremder Leute berührt hast!"

Das alles schreibe ich deshalb so ausführlich, weil es für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig ist, und ich kürze aber jetzt sehr ab.

Er ist zuhause, grade hat Charly, sein Kumpel angerufen, sie wollen sich in einem Lokal treffen. - - Da klopft es an seiner Tür. Drei Männer stehen vor der Tür, ein uniformierter Polizist und zwei in Zivil. Jeff hat keine Ahnung, was sie wollen könnten. Da schiebt sich der eine schon in die Wohnung. Auf seine Fragen, was denn los sei, bekommt er keine Antwort. Er wird gefragt, ob er grade aufbrechen will. Er wird blöd angegrinst, und seine ganze Wohnung wird durchsucht. - Und: er muss mit aufs Polizeirevier….
Er befindet sich in einem Vernehmungsraum, mit verspiegelter Wand, Kamera usw. - Noch kann er sich keinen Reim auf alles machen.. "Schluss mit der Scheisse hier!" brüllt der eine plötzlich.. "Sie haben sie gekidnappt!!" - "hab ich nicht" - "haben sie doch"….

Dann konfrontieren sie ihn mit den Beweisen, seinen Fingerabdrücken auf dem Fensterrahmen, dann wollen sie wissen, wieso er an dem besagten Abend sein Auto mit Dampfstrahler mitten in der Nacht noch gereinigt hat…. Es gibt Aussagen, wo ihn Leute erkannt haben wollen, die Mädchen vom College tauchen nicht auf, bzw. später dann mit einer gekauften Falschaussage…. -

So geht das weiter, schließlich wird er ins Gefängnis gesteckt. Als besondere Vergünstigung kann er im Trakt, wo die Todeskandidaten sitzen, eine Zelle bekommen. Das hat den Vorteil dass er nicht, wie in einem normalen Gefängnis, wo alle wissen wegen was er eingesperrt wurde, von allen Insassen gequält, verdroschen und misshandelt wird. So befindet er sich dann im Trakt, wo die zum Tode verurteilten Mörder sitzen.

Seine Hoffnung schwindet von Tag zu Tag, und er findet sich, muss sich… einfach damit abfinden. Er schließt dann auch Freundschaft mit einem Schwerverbrecher, den er beim Hofgang jeden Tag trifft.
Es folgt jetzt eine detaillierte Schilderung seiner ganzen Erfahrungen, mit anderen Häftlingen, auch eine Hinrichtung muss er mitbekommen, aber: er hat sich einfach eingerichtet…..

Hoffnung hat er von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat weniger….. am Ende gar keine mehr.
Es ist sehr viel zu erfahren über den Gefängnisalltag in so einem Trakt, wo alle auf ihr Hinrichtungsdatum warten… Und er mittendrin…
Es ist dann auch noch von anderen Fällen zu lesen, wo ähnliches passiert war, also vollkommen Unschuldige jahrelang in Gefängnissen saßen, einige wurden rehabilitiert, aber nicht alle.

Makaber ist dann das Ende….. aber das will ich ja nicht verraten. Der letzte Satz: "Ich stelle fest, ich bin nach wie vor im Gefängnis." - Wie und was damit gemeint ist??

 

 

Der Autor:
"Iain Levison, geboren 1963 in Aberdeen/Schottland als Sohn deutscher Eltern, lebt seit 1974 in Amerika, wo er u.a. als Lastwagenfahrer, Maler und Krabbenfischer gearbeitet und an der Universität von Villanova Anglistik studiert hat.

Nach dem Dienst bei der britischen Armee war er lange Zeit arbeitslos und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch.

Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, darunter Französisch, Italienisch, Deutsch und Niederländisch."

 

 

Verlagsbeschreibung:
"Jeff Sutton, Taxifahrer in Dallas, USA, fährt eine Frau vom Flughafen in eine noble Villengegend. Da sie nicht genug Geld dabei hat, bittet ihn die Dame noch mit ins Haus. Als kurz darauf ihre zwölfjährige Tochter verschwindet, steht für die Polizei fest, dass hier nur einer als Täter in Frage kommt. Der unbescholtene Taxifahrer wird in Untersuchungshaft genommen und im Trakt der Todeskandidaten untergebracht. Dort ist sein einziger Gefährte Robert, ein gefühlskalter Mörder. Ausgerechnet er glaubt an Jeffs Unschuld - aber glaubt Jeff selbst noch an Gerechtigkeit? Am Tag der Urteilsverkündung nimmt sein Fall eine überraschende Wendung ... Ein Krimi, der auf einer wahren Geschichte beruht."

 

 

Buchdaten:
ISBN-10:3-552-06194-0 EAN: 9783552061941 Erscheinungstermin: 30.07.2012
Verlag: Zsolnay
Einband: gebunden Originaltitel: The Cab Driver Sprache: Deutsch
Seiten:254
Übersetzer: Walter Goidinger
Reihe: Deuticke im Zsolnay

Abschließende Meinung:
Tja, sehr merkwürdiger Inhalt, und ist ja eine wahre Geschichte. Während dem ganzen Lesen, nachdem Jeff verhaftet worden war, baute sich in mir zunächst ein Unverständnis auf, das, je weiter ich las sich bis zur Wut auswuchs. - Kann so was sein ???? - Wie ist so was möglich? - Aber, es scheint ja so gewesen zu sein.

Auf was der Autor diffizil eingeht, sind die sozialen Strukturen in den Gefängnissen, insbesondere, wie hier im Todeskandidaten-Trakt. - Und Jeff findet auch sehr wertvolle Menschen hier, kaum zu glauben, aber es ist so. - Natürlich gibt es auch unglaubliche Rohlinge, denen ein Leben gar nichts wert ist, aber auch deren Hintergrund wird ausgeleuchtet, immer wieder in Gesprächen der Häftlinge untereinander. Jeff kann bald herausfinden, zu welcher Gruppierung die einzelnen gehören. Jeder hat seine Geschichte, viele sitzen hier zu Recht, aber nicht alle. Und: die Todesstrafe, die ja in Texas, wo das alles geschieht noch Gesetz ist, kommt vor diesem Hintergrund noch grausiger vor. - Für mich, und sicher für die meisten von uns, ist die Vorstellung, dass es Hinrichtungen von Gesetzes wegen gibt, sei es mit der Spritze oder sonst wie, einfach nicht vorstellbar.

Und wenn dann auch noch so, wie hier in diesem Fall, Jeff die auch drohen könnte, der nachweislich (aber erst nach langen, langen Monaten) gar kein Verbrechen begangen hat, dann wird das Lesen fast zu einer Tortour.

Und ich würde empfehlen, dieses Buch nicht vor dem Schlafen zu lesen!

Zum Buchtitel. - Ja, zumindest für diese Geschichte stimmt der Titel, der Protagonist konnte sich Hoffnung nicht mehr leisten, hatte sie aufgegeben…. Insgesamt ein interessantes Buch, mit einer grausamen, unglaublichen Geschichte.